

Entgegen der häufigen Annahme hat die Klassische Chinesische Medizin nichts mit Esoterik zu tun, sondern ist eine medizinische Wissenschaft. Obschon sie nicht aus denselben Diagnose- und Behandlungsmethoden wie die westl. Schulmedizin aufgebaut ist. Das wichtigste Diagnosemittel neben der Befragung des Patienten ist die Pulsdiagnose, die sehr spezifisch und fundiert ist.
Die Schulmedizin sieht den menschlichen Körper als ein Zusammenspiel verschiedener chemischer, physiologischer und mechanischer Abläufe. Für dessen Erforschung man Körper seziert und die verschiedensten Werte gemessen hat und misst. Sie sieht den menschlichen Körper als reine Materie, deren Zusammenhänge es zu ergründen gilt. Die westliche Medizin hat mit steigender Technologie in den letzten Jahren wesentliche Fortschritte gemacht und dennoch ist zu bedenken, dass sie doch erst ein paar Jahrhunderte alt ist.
Die Chinesische Medizin sieht den menschlichen Körper als ein funktionelles Konstrukt aus Substanz und Energie, welches nach den Regeln der Natur bzw. des Universums funktioniert. Die Erforschung des Körpers besteht aus Beobachtung und Einbindung in die allgemein gültigen Naturgesetzte. Man kann also sagen, dass es eine empirische Wissenschaft ist, die nur teilweise adäquat mit den modernen Geräten der Wissenschaft bewiesen werden kann und auch zunehmend bewiesen wird. Der grösste Beweis, den die chinesische Medizin aber erbringen kann, sind die Heilungserfolge über die letzten Jahrtausende... Man bedenke, dass die Chinesische Medizin auf mehr als 3000 Jahre dokumentierte Erfahrung zurückblickt und dabei nichts von Ihrer Gültigkeit verloren hat.
Die Diagnostischen Methoden der TCM sind umfangreich und ergeben ein ganzheitliches Bild des Patienten. Der Therapeut weiß nach eingehender Untersuchung, wie es um Körper und Geist seines Patienten bestellt ist. Die Untersuchungsmethoden bestehen jedoch nicht aus Messwerten, sondern beinhalten Puls- und Zungendiagnostik, Befragung und Beobachtung des Patienten, Palpation.
Die Behandlungsmethoden sind einzeln oder kombiniert anwendbar und die Behandlungsstrategie ergibt sich individuell aus der genau erstellten Diagnose. Leider besteht oft die Meinung, TCM- Behandlung bestehe nur aus Akupunktur, aber die Möglichkeiten sind vielfältiger! So der Therapeut in allen Bereichen ausgebildet wurde, stehen ihm zur Behandlung sowohl Akupunktur-, Akupressur-, Moxa- und Arzneimitteltherapie, als auch Tuina (chin. Massage), Di- Da (bone setting), Diätetik und Qi Gong zur Verfügung.
Was allen Diagnose - und Behandlungsmethoden aber gemein ist, sind die universellen Theorien die diesen zu Grunde liegen: Yin - Yang - Theorie, 5 Elemente - Theorie (Wu Xing), 6 Schichten - Theorie (Shang Han Zha Bing Lun), 4 Schichten - Theorie (Wen Bing).
Einerseits sind Diagnosemethoden aus universell gültigen Theorien hervorgegangen, andererseits hat man Theorien zugezogen, um Pathologien (krankhafte Veränderungen) besser erklären und beschreiben zu können. Den Laien mag diese Vielzahl von Theorien verwirren, es muss aber betont werden, dass keine dieser Theorien eine andere ausschließt oder ihr gar widerspricht. Es sind lediglich verschiedene Nomenklaturen, um dasselbe Krankheitsmuster zu beschreiben.

Die Theorie von Yin und Yang ist eine universelle. Man kann sie in den Kampfkünsten, im Alltag oder in der Medizin nutzen!
Die wohl früheste Erwähnung der Theorie von Yin und Yang wurde um ca. 700 v. Chr. im Buch "Yi Jing" verfasst. Das Ziel dieser Theorie ist es, die Naturgesetzte zu verstehen und zum Vorteil des Menschen zu nutzen.
Viele glauben schon zu wissen, worum es bei dieser Theorie geht, aber nur wenige verstehen sie wirklich.
![]() | Die Yin und Yang Theorie stützt sich auf 3 Pfeiler | ![]() |
1. | 2. | 3. |
1.
Yin und Yang sind voneinander abhängig, d.h. es gibt kein Yin ohne Yang und umgekehrt. Nur durch die Existenz des Einen gibt es das Andere. Es gibt zum Beispiel keine Nacht, ohne dass es den Tag gibt; keinen Schatten ohne Licht; keine Aufregung ohne Beruhigung etc. Ein Ding kann somit nicht Yin oder Yang sein, sondern es kann nur im Vergleich den Yin oder den Yang-Aspekt des Dings darstellen. Die Yin-Yang-Natur eines Dings ist somit relativ und keinesfalls absolut. Sie existiert nur aufgrund eines Vergleichs. So ist grau im Vergleich zu weiß Yin-Aspekt, aber grau im Vergleich zu schwarz ist Yang-Aspekt. Um diesen Vergleich aber machen zu können muss man die Eigenschaften des Yin und des Yang kennen. Die alten Lehrer benutzten gern Wasser und Feuer als Beispiele, um die grundlegenden Eigenschaften von Yin und Yang zu erläutern. Yin-Eigenschaften sind: Kälte, Abwärtsrichtung, Dunkelheit, Passivität, weich etc. Yang-Eigenschaften sind: Hitze, Aufwärtsrichtung, Helligkeit, Aktivität, hart etc.
2.
Jedes Ding kann unzählig in seinen Yin und Yang-Aspekt geteilt werden. Die Hand ist im Vergleich zum Fuß Yang; die Handfläche ist aber Yin im Vergleich zum Handrücken; und die Fingerspitzen der Handfläche sind Yang im Vergleich zu den Handballen. So lässt sich jeder Yin-Aspekt eines Dings wieder in einen Yin-und einen Yang-Aspekt teilen und auch jeder Yang-Aspekt kann erneut in einen Yin-und einen Yang-Aspekt geteilt werden.
3.
Jedes Yin wandelt sich um zu Yang und jedes Yang wandelt sich um zu Yin. Yin und Yang sind in stetigem Wandel. Weil sie erst zusammen ein Ganzes bilden, gibt es kein Yin ohne Yang, wie wir oben gesehen haben, somit ist in jedem Yin ein Keim von Yang und in jedem Yang ein Keim von Yin vorhanden. Beispielsweise gibt es auch im Winter (Yin-Zeit) einen sonnigen, schönen Tag und auch im Sommer (Yang-Zeit) einen grau verhängten, regnerischen Tag.
Wie verwende ich Yin und yang in der Chinesischen Medizin?
Physiologische und pathologische Vorgänge im Körper können anhand einer Yin-Yang-Beziehung verstanden und erklärt werden. Nur die Ausgewogen heit beider Aspekte garantiert vitale und physiologische Abläufe. Die korrekte Balance zwischen yin und yang im menschöichen Körper ist also die Voraussetzung zum Gesundsein!